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"Prävention heißt: Kindern und Eltern Mut machen und Panik nehmen "
Aufgrund eines aktuellen Falles von Exhibitionismus und sexueller Belästigung von Kindern haben der Kindergarten, die Volksschule und die Hauptschule Hittisau am 30.3.2006 die Pädagogin Mag.a Margit Brunner zu einem Elternabend eingeladen. Die Hauptthesen der Referentin werden im Folgenden wiedergegeben:
 
Vorweg: nur rund 10% aller sexuellen Übergriffe auf Kinder werden von Unbekannten verübt, rund 90% der Täter kennen die Kinder.
Die untenstehenden Tips haben auch bei Tätern die
das Kind kennt ihre Gültigkeit.
Eltern stärken ihre Kinder alltäglich und oft ohne sich dessen bewusst zu sein z.B. durch folgende Erziehungsgrundhaltungen:
 
Kinder dürfen über alles reden – in unserer Familie gibt es kein Tabuthema
Eltern kennen Probleme und können diese Probleme auch benennen
Ich glaube dir, was du mir erzählst – ich bin mir sicher, dass du nicht schummelst,
  wenn etwas wirklich wichtig ist
Ich als ErwachseneR kann es ertragen zu hören, was du erlebt hast
Du hast keine Schuld, die Verantwortung für das, was passiert ist, liegt allein beim
  Täter
Wir finden zusammen eine Lösung
Eltern stärken das Selbstbewusstsein der Kinder durch Überwindung der
  geschlechtsspezifischen Sozialisation (Stichwort Mädchen dürfen stark sein,
  Buben dürfen weinen)
Eltern stärken die körperliche Selbstbestimmung des Kindes   
  (Stichwort: Kein Küsschen auf Kommando)
Eltern stärken das Durchsetzungsvermögen ihrer Kinder
Eltern vermitteln ihren Kindern Wissen (Stichwort: was sind/macht mir
  gute/schlechte Gefühle und warum)
Eltern leben ihren Kindern vor, dass Hilfe holen erlaubt ist und wo/von wem sie
   Hilfe erhalten
Wie Eltern nach einem Übergriff reagieren ist für Kinder sehr wichtig
Die wichtigste Frage für Eltern: Was hilft dem Kind?
Ruhe bewahren – keine Panik, kein überhastetes Einschreiten
Verzweiflung, Wut, Entsetzen nicht vor dem Kind ausleben
Sich jemanden suchen, mit dem/der über das Erfahrene/Gesehene/den Verdacht
  gesprochen werden kann
Aufschreiben, was Sie erfahren/erlebt haben
Überlegen wer noch informiert werden soll und ob Anzeige erstattet werden soll
  Öffentlich machen hilft
Überlegen, ob das Kind eine zusätzliche Unterstützung braucht (Kindergarten,
  Schule, TherapeutIn)
Sich und dem Kind Zeit geben
 
Und dem Kind gegenüber:
Das Kind in den Arm nehmen, mit ihm weinen, es trösten.
Es immer wieder ermutigen über Probleme zu sprechen.
Ihm sagen, dass das auch anderen Kindern passiert, ihm vermitteln, dass es nicht
  allein/das einzige mit diesem Problem der (sexuellen) Gewalterfahrung ist.
Gespräche über „gute“ und „schlechte“ Geheimnisse mit dem Kind führen.
Gespräche über „angenehme“ und „unangenehme“ Berührungen führen.
Sich voll und ganz auf die Seite des Kindes stellen – dem Kind glauben.
Das Kind loben, dass es darüber gesprochen und sich gewehrt hat.
Das Kind auf seine Stärke hinweisen: sich wehren heißt Stärke beweisen.
Eine Umgebung schaffen, die Sicherheit und Geborgenheit aber auch Raum
   für Entfaltung gibt.
Eltern Mut machen
Auch Mütter und Väter können die Verantwortung für Taten anderer nicht übernehmen. Sie trifft keine Schuld.
Eltern haben jedoch sehr wohl Verantwortung zu tragen: es liegt an ihnen, dass ihre Kinder wissen, wovor und wie sie sich wehren und Hilfe holen können. Eltern sind sich jedoch oft zuwenig bewusst, dass sie schon jetzt genau das Richtige tun.
Literaturempfehlungen zum Thema „Exhibitionismus und Fremde Täter“
Für Kinder im Kindergarten- und Volksschulalter:
Gieseler/Junge: Geh nicht allein, Sophie!, Bilderbuch ISBN 3-7707-4830-1
Apenrade/Knipping: Ich kenn dich nicht, ich geh nicht mit!, Bilderbuch
ISBN 3-401-08230-2
Mönter/Wiemers: Geh mit niemandem mit, Lena!, Bilderbuch ISBN 3-451-70317-3.
Enders/Boehme/Wolters: Lass das – nimm die Finger weg! Comic,
ISBN 3-89106-335-0
 
Für Kinder und Jugendliche im Hauptschulalter:
Wortberg: „Macht uns nicht an!“ – Tips und Tricks zur Selbstbehauptung von
    Mädchen für Mädchen, ISBN3-928300-82-2
Schaffrin/Wolters: Auf den Spuren starker Mädchen, Cartoons und Begleittexte für
    PädagogInnen, ISBN 3-923243-73-1
Neutzling/Fritsche: Cartoons für Jungen, Cartoons und Begleittexte für
     PädagogInnen, ISBN 3-923243-72-3
 
Mag.a Margit Brunner, März 2006
Für Eltern, die mit ihren Kinder über mögliche sexuelle Übergriffe sprechen ist folgendes wichtig:
 
1.
Kinder vor Situationen und Begebenheiten warnen,
    die für sie gefährlich sein können damit Kinder wissen, um welche Situationen es
    sich handelt. Z.B. mit jemandem Fremden mitgehen der/die dem Kind
    Süßigkeiten/Hundebabys etc. verspricht; in ein fremdes Auto einsteigen; wenn das

    Kind ein ungutes Gefühl in bestimmten Situationen, mit bestimmten Personen hat.
 
2.
Kindern in für sie verständlicher Sprache sagen, was Täter mit ihnen machen    
     könnten,
     damit das Kind nicht unnötig Angst durch Phantasievorstellungen bekommt. Z.B:
     er/sie möchte dich küssen und du willst das nicht; er/sie hält dich so fest/berührt
     dich so, dass es gar nicht fein für dich ist; er/sie verlangt von dir, dass du sie/ihn
     berührst/küsst und das ist eklig für dich; er/sie könnte dich
     schlagen/entführen/einsperren...
 
3.
Kindern die Erlaubnis geben, dass sie sich wehren zu dürfen:
    Kinder wissen, dass beißen, schlagen, treten, kratzen, schreien im Alltag und bei
    Konflikten nicht erlaubt sind/von den Eltern abgelehnt werden. Deshalb ist es
    wichtig, dass Eltern ihren Kindern die Erlaubnis geben, dass sie sich dennoch so
    wehren dürfen, wenn sie in Gefahr sind. Diese Erlaubnis gilt auch gegenüber
    Erwachsenen, Bekannten und unbekannten Personen.
 
4.
Kindern Strategien mitteilen, mit denen sie sich wirklich wehren können:
    beißen, schlagen, treten, Haare reißen, davonrennen, schreien, Hilfe holen,
    weitersagen...
 
5.
Kinder mitteilen, dass sie „schlechte Geheimnisse“ weitersagen dürfen und  
      sollen:
    Meist verlangen Täter, dass Kinder ihnen versprechen müssen, dass sie nichts
    weitersagen, mit niemandem über das Erlebte sprechen dürfen. Für Kinder ist es
    wichtig zu wissen, dass sie dies dem Täter versprechen dürfen (=gefährliche
    Situation) und sich aber nicht daran halten müssen: das ist dann kein Verrat,